Was ist ein KGV?

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Als ich diesen Blog startete habe ich es mir zur Aufgabe gemacht Themen der Finanzen auf einfache Art und Weise Otto Normalverbraucher zu erklären. Wenn ihr euch mit dem Thema Aktien näher beschäftigt gibt es eine Kennzahl die in der Analyse früher oder später immer wieder auftaucht. Der sogenannte KGV. Doch was ist ein KGV und was sagt es aus. Genau damit beschäftigt sich dieser Beitrag.

KGV ist die Abkürzung für das sogenannte Kurs-Gewinn-Verhältnis. Beim KGV wird der Gewinn einer Aktie im Verhältnis zu deren Kurs gesetzt. Mathematisch ergibt sich also folgende Gleichung:

KGV = Kurs je Aktie / Gewinn je Aktie

In Zahlen:

100,00 € (Kurs je Aktie) / 8,00 € (Gewinn je Aktie) = 12,5 (KGV)

Ein KGV zwischen 12 und 15 gilt für eine eine Aktie als „normal“.

Was bedeutet aber ein KGV von 12,5?

In der Theorie besagt diese Zahl wie viel Jahre es dauert bis die Aktie durch ihre Gewinne „bezahlt“ ist. Ihr müsstet die Aktie also 12,5 Jahre halten bis die Aktie 100,00 € Gewinn erwirtschaftet hat. ABER: Dies gilt nur bei einem konstanten Gewinn von 8,00 € pro Geschäftsjahr. Und noch ein großes ABER: Die Höhe der Gewinne pro Aktie muss nicht unbedingt auf die Kursentwicklung Einfluss nehmen! Zudem bekommt ihr die Gewinne auch nicht ausbezahlt.

Und genau hier steckt die Crux an der ganzen Sache. Nur weil der KGV niedrig ist heißt das nicht unbedingt das sich die Aktie gut entwickeln wird. Die Aktie wird in „Expertenkreisen“ dann als „günstig“ bewertet. Das heißt sie ist vielleicht für Anleger potentiell interessant. Mehr aber auch nicht.

Ein Beispiel: Amazon hat einen aktuellen KGV (Stand: 02.10.2017) von 254,41 (Quelle: consorsbank.de). Wenn man sich auf die Definition bezieht scheint die Aktie weniger attraktiv für einen Kauf zu sein, da der Kurs pro Aktie im Verhältnis zum Gewinn je Aktie zu hoch ist. Im Jahr 2016 lag der KGV für eine Aktie von Amazon bei 158,39 (Quelle: consorsbank). Auch noch viel zu teuer, oder? In der Theorie ja, aber in der Praxis gab es trotzdem ein Kursanstieg von immerhin 10 % (Stichtag: 03.10.2016 bis heute, Quelle: https://www.onvista.de/aktien/Amazon-Aktie-US0231351067).

Quelle: https://www.onvista.de/aktien/Amazon-Aktie-US0231351067

Das ist schon eine sehr gute Entwicklung im Vergleich zu anderen Anlageformen wie Tagesgeldkonto & Co.

Ein KGV kann aber auch negativ sein. Zum Beispiel, wenn ein Unternehmen Verluste macht. Sinkt dadurch automatisch der Kurs der Aktie? Nicht unbedingt. Die Kennzahl sagt nur aus, dass das Unternehmen Verluste schreibt. Mehr nicht. Kann der Kurs eines solchen Unternehmens steigen? Auf jeden Fall! Tesla ist für mich seit Jahren ein Sinnbild für ein einen konstanten Kursanstieg bei einem negativen KGV. Letztes Jahr hatte das Unternehmen einen KGV von -47,77 (Quelle: consorsbank.de). Ja ihr habt richtig gelesen -47,77. Damit ist Tesla immer eine moderne Geldverbrennungsmaschine. Trotzdem spricht die Kursentwicklung eine andere Sprache. Seit einem Jahr ist die Tesla-Aktie um 61,23 % (Stichtag 03.10.2016, Quelle: https://www.onvista.de/aktien/Tesla-Aktie-US88160R1014) gestiegen.

Quelle: https://www.onvista.de/aktien/Tesla-Aktie-US88160R1014

Zugegeben sind diese beiden Unternehmen Extrembeispiele. Jedoch kann man anhand des KGV weitere Dinge ableiten. Wie schon weiter oben erwähnt gilt ein KGV zwischen 12 und 15 also normal für einen Einzelwert (Aktie) oder einen Index.

Ist das KGV kleiner als 12 gilt die Aktie als „günstig“. Ist das größer als 15 gilt die Aktie als teuer.

Aus dem KGV eines Index lässt sich aber auch ableiten ob der jeweilige Markt zu teuer, sprich „heiß gelaufen“, ist. So zum Beispiel Anfang der 2000er am sogenannten „Neuen Markt“. Damals lag das durchschnittliche KGV bei 80 (!). Für heutige Verhältnisse unglaublich hoch. Den Ausgang kennen viele „Alte Hasen“ am Aktienmarkt noch. Irgendwann blieben die Käufer aus und der „Neue Markt“ brach in sich zusammen.

Abschließend kann ich nur sagen das ein kurzer Blick auf den aktuellen KGV und die Schätzungen des KGV für die nächsten Jahre in die Anlagenentscheidung mit einfließen sollte. Jedoch sollte das KGV nicht ausschließlich für eine Kaufentscheidung herangezogen werden. Man sollte es vielmehr wie bei der Levermann-Methode in die Strategie mit einfließen lassen um dann eine Entscheidung zu treffen.

-RF

Dieser Beitrag spiegelt die persönliche Meinung des Autors wider und ist keine Aufforderung zum Handel mit Finanzprodukten oder entsprechenden Dienstleistern.

 

 

 

 

 

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