Datenpanne an der NASDAQ – Techwerte zum gleichen Preis?

Quelle: https://venturebeat.com/wp-content/uploads/2014/03/nasdaq-tower.jpg?fit=930%2C662&strip=all

Und wieder ist es passiert. Am Dienstag gab es mal wieder eine Datenpanne an der NASDAQ. Die bekannten Techwerte hatten plötzlich alle denselben Kurs. Was war los?

Am Dienstagmorgen den 04.07.2017 kam es zu einer kleinen, naja wenn man es wirklich klein nennen kann, Datenpanne. Einige Finanzwebseiten wie zum Beispiel Google Finance oder Bloomberg und andere zeigten über kurze Zeit ein und denselben Kurs für mehrere Techwerte an. Darunter vielen Aktien wie Microsoft, Apple, Alphabet und auch Amazon. Alle Werte hatten plötzlich einen Kurs von 123,47 US-Dollar. Das sorgte natürlich für Verwirrung bei dem einen oder anderen Anleger.

Einige Finanzdienstleister (o.g.) hatten im Vorfeld gesandte Testdaten leider falsch weiterverbreitet. Somit kam es zu extremen Sprüngen der prozentualen Kursänderung. Werte wie Amazon sackten buchwerttechnisch um über 80 % ab währenddessen Microsoft um über 70 % stieg. Leider war das bei der Nasdaq nicht das erste Mal. Bereits 2013 musste der Handel aufgrund einer Softwarepanne für mehrere Stunden ausgesetzt werden.

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Quelle: https://fm.cnbc.com/applications/cnbc.com/resources/img/editorial/2017/07/03/104566054-sample.530×298.jpg?v=1499134739

Auch in unserer hochdigitalisierten Zeit kann das natürlich einmal vorkommen. Oft liegt der Fehler aber nicht am System bzw. am Computer. Das Problem sitzt meistens ca. 60 cm vor dem Bildschirm. Ein Computer ist leider immer nur so gut wie sein Benutzer. In der Vergangenheit ist es deshalb schon öfters zu Kuriositäten an der Börse aufgrund von Falsch- bzw. Fehleingaben durch den Menschen gekommen.

Dadurch kann es schon einmal passieren dass diese Falscheingaben eine Order auslösen. Eine Order die irgendwo noch in einem Auftragsbuch schlummerte oder auch durch eine fehlerhafte Eingabe im System herumschwirrt. Wird die Order dann auch noch ausgeführt spricht man von einem „Mistrade“. In einigen Fällen spricht man auch von einem Fat-Finger-Fehler.

Jeder von uns kennt das vielleicht. Gerade beim Schreiben von Texten auf der Tastatur oder auf dem Smartphone kommt es oft vor dass man sich verschreibt. Man tippt auf die falsche Taste oder tippt ausversehen zwei Tasten auf einmal. In einem Schreibprogramm oder mittels Schrifterkennung auf dem Smartphone wird der Fehler meist sofort von der jeweiligen Software korrigiert. An der Börse können Falscheingaben schnell zu enormen Verlusten führen. Deswegen gibt es an einigen Börsen eine Mistrade-Regelung. An der Börse in Frankfurt zum Beispiel ist der Umgang mit Mistrades in der „Ausführungsbestimmung zu § 29 der Bedingungen für Geschäfte an der Frankfurter Wertpapierbörse (Mistrade-Regel)“ geregelt.

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Quelle: https://www.onlinebrokervergleich.org/images/articleupload12345$/2017/06/Fotolia_31325200_XS.jpg

In diesem Fall müssen Mistrades gemeldet und danach rückabgewickelt werden. Meistens zu Lasten des Brokers bzw. der Bank. Jedoch gibt es einige Börsen die eine solche Mistrade-Regelung leider nicht haben. In der Vergangenheit gab es viele Beispiele für Mistrades. Einige habe ich für euch im Netz auf Wikipedia gefunden und hier aufgeführt:

  • Ein Händler, der eine J-Com-Aktie für 610.000 Yen verkaufen wollte, erfasste eine Order über 610.000 Aktien zu einem Yen. Die Börse Tokio setzte den Handel für dieses Papier weder aus, noch erfolgte ein Stornierung der Wertpapierorder. Der Schaden für die Bank betrug 300 Millionen Euro.
  • Im Jahr 2005 kauften Anleger Optionsscheine von einer Bank. Diese hatte sich offensichtlich bei der Bepreisung um das zehnfache geirrt und passte nachträglich die Emissionsbedigungen an. Der BGH entschied jedoch „Klauseln in Allgemeinen Emissionsbedingungen, nach denen der Emittent von Optionsscheinen die Bedingungen ändern kann, soweit ihm dies angemessen und erforderlich erscheint, um dem wirtschaftlichen Zweck der Bedingungen gerecht zu werden, falls die Änderung dazu dienen soll, einen offensichtlichen Irrtum zu berichtigen, sind gemäß § 308 Nr. 4 BGB unwirksam“. Unbestätigten Meldungen zufolge lag der Gesamtschaden bei 60 Mio. EUR.
  • Im Jahr 2006 gab es einen Fat-Finger-Fehler ausgelöst durch einen Händler bei der Mizuho Securities in Japan, der dazu führte, dass eine Aktie in extrem großer Stückzahl verkauft wurde. Angeblich kostete es 40 Mrd. Yen, um den Fehler wieder auszugleichen.
  • Im Jahr 2014 platzierte ein japanischer Broker Wertpapieraufträge im Wert von 600 Mrd. USD an der Börse, die jedoch wieder gelöscht wurden. Wenn die Order erfüllt worden wäre, hätte sie im Wert das Bruttoinlandsprodukt von Schweden überstiegen.
  • 2015 ereignete sich laut dem Focus-Magazin und Bloomberg ein extrem großer Mistrade in Deutschland, als der Frankfurter Investor Armin S. Zertifikate für 326.400 EUR von der französischen BNP Paribas Arbitrage kaufte, deren echten Wert die BNP sechs Tage später – im Nachhinein – auf 163 Mio. EUR taxierte.
  • 2016 verlor das britische Pfund innerhalb weniger Minuten 6 % gegenüber dem US-Dollar – ein Flash Crash. Man vermutet, dass der Auslöser des Kurssturzes ein Fat-Finger-Fehler war. / Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Mistrade

Wie ihr seht können solche Fehler immensen Schaden anrichten. Leider gibt es kein Schlupfloch um davon nachhaltig profitieren zu können. Selbst wenn ihr schnell seid und tatsächlich schafft die Gewinne realisieren zu können, kommt euch die Bank früher oder später auf die Schliche und wickelt das Geschäft rückwirkend ab. Im Falle des Frankfurter Investors Armin S. wird übrigens immer noch über eine Entscheidung verhandelt.

-RF

Dieser Beitrag spiegelt die persönliche Meinung des Autors wider und ist keine Aufforderung zum Handel mit Finanzprodukten oder entsprechenden Dienstleistern.

 

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